(Bild: Koichiro Hattori)

Koichiro Hattori

Irische Festvorbereitung

Frühlingskonzert 2014

Der Musikverein begann im gut besetzten Eichmatt mit irischen Klängen. Dabei stand vor allem das Selbstwahlstück fürs «Kantonale» im Fokus. Daneben kam aber auch ein Werk des Schweizer Komponisten Marc Jeanbourquin zur Aufführung. Nach der Pause trumpften die Tambouren des Tambourenvereins Arth-Goldau wieder einmal mit rhythmischer Präzision auf. Der Musikverein hatte nach der Pause ebenfalls grosses vor: Das Aufgabestück, das von allen am Musikfest teilnehmenden Vereinen erst ab Mitte März geprobt werden konnte, wurde aufgeführt. Obwohl noch nicht ganz alles klappte, zeigte die intensive Probearbeit daran doch bereits Früchte.

Der Musikverein bedankt sich bei allen, die zum Gelingen dieses Konzertes beigetragen haben: bei Christian Stutzer für die gute Vorbereitung, bei den Projektmitgliedern für die musikalische Unterstützung, bei den Sponsoren und Gönnern und schliesslich auch beim zahlreich erschienen Publikum.

Presseschau

Musikalische Berg- und Talfahrt der Gefühle (Edith Schuler-Arnold, Rigi-Post, 1. Mai 2014)

Für Auge, Ohr und Gemüt (Flavian Imlig, Rigi-Post, 24. April 2014)

Tänzerisch, klangvoll und mit Dynamik (Flavian Imlig, Rigi-Post, 17. April 2014)

Konzertprogramm

Programmheft

Marc Jeanbourquin

Marc Jeanbourquin wurde 1977 in der Schweiz geboren. Er arbeitete als Sprach- und Musiklehrer an mehreren Sekundarschulen in den Kantonen Jura und Fribourg sowie als Posaunenlehrer an mehreren Musikschulen. Seine Dirigentenausbildung schloss er 2010 in Fribourg ab. Ein Markenzeichen seiner Werke – zumindest der neueren – sind die Passagen, in denen die Musikantinnen und Musikanten singen sollen.

Das dreiteilige «Dublin Pictures» schrieb Jeanbourquin zunächst für eine kleine Blechbesetzung mit vier Trompeten, vier Posaunen, Horn und Tuba und leitete auch gleich die Uraufführung 2011. Ein Jahr später erfolgte die Bearbeitung für Blasorchester.

Alle drei Teile sind inspiriert durch die Harmonien und Klangfarben der traditionellen irischen Folksmusik. Der erste Teil kommt in einem tänzerischen Sechsachtel-Takt daher. Dementsprechend steht bei fast jedem Einsatz «leggiero» in den Noten; Leichtfüssigkeit ist also gefragt. Im zweiten Teil ertönt dann eine lyrische Melodie, wie sie auch auf einer irischen Blockflöte oder – wie anlässlich des Frühlingskonzerts 2011 – auf einem irischen Dudelsack gespielt werden könnte. Sie entwickelt sind von einem einsamen, etwas wehmütigen Charakter zu einem feierlichen Choral. Im dritten Teil gehts rasant zu und her: In teilweise stürmischen Melodien wird wiederum irische Tanzmusik imitiert, diesmal aber vorwärtsdrängend, wild und ungestüm. Kaum ein Register, das nicht in den wilden Gesang einzustimmen hat. Vorwärts getrieben auch durch eine pulsierende, fast etwas rockige Begleitung steigert sich die Intensität immer mehr bis zum Schluss.

Text: Flavian Imlig

Poem nach einer Sage von der «Grünen Insel», op. 37

Rolf Rudin

(Selbstwahlstück Fest der Musik 2014, 1. Klasse Harmonie)

Rolf Rudin wurde 1961 in Deutschland geboren. Nach Abschluss seiner Ausbildung zum Dirigent und Komponisten begann er in den 1990er-Jahren eine zunächst nationale und später auch internationale Karriere. Obwohl er für sehr unterschiedliche Besetzungen komponiert, liegt sein Fokus deutlich auf Werken für sinfonisches Blasorchester. Ab ca. 1994 begann eine intensive Auseinandersetzung mit der irischen Mythologie, die in zahlreiche Kompositionen einfloss.

Das musikalische Poem «Der Traum des Oenghus» bezieht sich auf die gleichnamige irische Sage, die in der im Eugen Diederichs Verlag von Frederik Hetmann herausgegebenen Sammlung «Irischer Zaubergarten – Märchen, Sagen und Geschichten von der Grünen Insel» nachzulesen ist. In dieser Sage erscheint dem Königsohn Oenghus nachts im Schlaf ein flötenspielendes Mädchen, in das er sich verliebt. Da dieses aber immer wieder verschwindet, bleibt es zunächst für ihn unerreichbar, so dass er lange nach ihm suchen lässt, bis er schliesslich zu ihm findet. Das Stück ist aber keine musikalische Nacherzählung dieser Sage, vielmehr lädt es in gewisser Weise zur Lektüre derselben ein, findet man doch immer nur einzelne Phasen und Atmosphären der Sage als aussermusikalische Imaginationsquellen.

Die Komposition ist als grosse zweiteilige Form konzipiert. Die Musik dieses ersten Teils setzt weitgehend die zu Beginn der Sage stehende Traumvision in Klanglichkeit um. Gerade die Atmosphäre des Traumhaften und auch des Unerreichbaren war Anregung zur Komposition einer zart dunklen Traumwelt: Geräuschklänge am Anfang, ein glockenartiges Motiv und eine pendelnde, in sich schwebende Klangfläche verleihen dem Stück seinen nächtlich-geheimnisvollen Charakter. Daran anschliessend entsteht durch eine mehrmalige Wiederholung eines misteriösen Gesanges in sich immer steigernder Instrumentation und Dynamik ein grosser, scheinbar nicht abbrechender Bogen, der wie in einer traumhaften Vorahnung die räumliche und vor allem zeitliche Länge der Suche nach dem Mädchen zu symbolisieren vermag. Der zweite Teil beleuchtet mehr die eigentliche Erzählung. Schon gleich zu Beginn klingen die Wildheit, die Irrungen und Wirrungen des Königsohnes Oenghus auf seiner Suche, sowie die Flötenklänge deutlicher an. Über dem nächtlich-geheimnisvollen Klangteppich aus dem ersten Teil schwebt eine sphärische Melodie. Eine rhythmische Steigerung in marschähnlichem Charakter gipfelt im Aufgreifen des misteriösen Gesanges aus dem ersten Teil. Die apotheotische Stimmung der abschliessenden Coda taucht das erlösende B-Dur in die traumvisionären Geräuschkläge des Beginns und entlässt den Hörer in friedlicher, sagenumwobener Atmosphäre.

Text: Rolf Rudin, Flavian Imlig

Peter Milray
arr. Johan De Meij

Die «Cake Walk Phantasy» wurde – wie «Dublin Pictures» – ursprünglich für eine kleine Blechmusik geschrieben und war 1983 Pflichtstück bei einem grossen holländischen Brass Festival. Auf Anfrage von Peter Milray erstellte Johan de Meij eine Bearbeitung für Harmonie- und Blechblasorchester. Es ist ein heiteres, kraftvolles Werk mit, wie gesagt, vielen rhythmischen Effekten und einem an die grossen Meister des Blues erinnernden Posaunensolo im ruhigen Mittelteil.

Der «Cake Walk», dessen typischer Charakter Milray und viele andere Komponisten inspirierte, war ein amerikanischer Gesellschaftstanz, der um 1840 von den afroamerikanischen Sklaven auf den Grossgrundplantagen im Süden der Vereinigten Staaten entwickelt wurde. Sie parodierten damit auch die steifen und förmlichen Schreittänze ihrer weissen Herren. Der Begriff wird teilweise auch auf die Tanzwettbewerbe zurückgeführt, die die Plantagenbesitzer für ihre Sklaven zu veranstalten begannen und bei denen der Siegerpreis ein Kuchen war. In Irland (und von Iren weltweit) wird der «Cake Walk» heute noch als Gesellschaftsspiel am St. Patrick’s Day zelebriert. Dabei geht es darum, sich auf die beireitgestellten Stühle zu setzen, wenn die Musik aufhört zu spielen; ähnlich wie bei uns die Reise nach Jerusalem.

Text: Flavian Imlig

Leitung: Peter Reichlin

Euphorie

Peter Reichlin

Beim Komponieren der Trommelkomposition «Euphorie» kam diese so richtig auf, deshalb dieser Titel. Peter Reichlin wollte eine flüssig spielbare, attraktive Komposition mit anspruchsvollen Figuren schreiben. Euphorie vereint viele Tempoänderungen, verschiedene Taktarten und eine dynamische Betonung, zu einem harmonischen Ganzen.

Metricsticks

Valerio Felice

«Metricsticks» ist eine sehr anspruchsvolle Show-Komposition, bei der die leuchtenden Trommelschlegel sprichwörtlich durch die Luft geworfen werden.

Bis zum letschtä Bächer

Peter Reichlin

Inspiriert durch ein YouTube-Video, komponierte Peter Reichlin das Stück «bis zum letschtä Bächer», eine Komposition welche weder mit Schlegeln noch mit Trommeln gespielt wird. Aufgeführt wird das Stück durch die Jungtambouren des Tambourenvereins Arth-Goldau.

Röhrenbeat

Philipp Nückles

Auch für die letzte Komposition «Röhrenbeat» erweitert der Tambourenverein sein Instrumentenarsenal und spielt darin sogar Pop-Melodien: Mit mitreissendem Rhythmus, eindrücklicher Synchronisation und Dynamik werden die Boomwhackers zum Klingen gebracht.

Text: Tambourenverein Arth-Goldau

— Pause —
Porter, Styne, Sondheim, Schwartz
arr. Warren Barker

Another Op’nin‘ Another Show, Let Me Entertain You, Send In The Clowns, Be A Clown & That’s Entertainment

Warren Barker (1923-2006) war ein amerkanischer Komponist und Dirigent. Er hat sich Zeit seines Lebens mit der US-amerkanischen Blasmusikkultur auseinandergesetzt. Nach einer militärmusikalischen Laufbahn stiegt er zunächst ins Radio- und später ins boomende Filmbusiness ein und komponierte Musik für unzählige Radiosendungen, Fernsehshows, Serien und Kinofilme. In seiner Tätigkeit liess er sich auch immer wieder von den grossen amerikanischen Komponisten seiner Zeit inspirieren.

In «That’s Entertainment» stellt Barker einen bunten Strauss amerikanischer Unterhaltungsmusik für Blasorchester zusammen. Dabei greift er zurück auf Ohrwürmer aus Film, Fersehen und Broadway von Cole Porter («Another op’nin‘, another show», «Be a clown»), Jule Stein («Let me entertain you»), Stephen Sondheim («Send in the clowns») und Arthur Schwartz («That’s entertainment»).

Entstanden ist ein vielseitiges Medley, das den Geist der Unterhaltungsszene der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder aufnimmt.

Text: Flavian Imlig

Six Scenes de Ballet

Jan Bosveld

  1. In Love
  2. Shy
  3. Unconcerned
  4. Desperate
  5. Stressed
  6. Haughty

(Aufgabestück Fest der Musik 2014, 1. Klasse Harmonie)

Jan Bosveld wurde 1963 in den Niederlanden geboren. Nach einer technischen Erstausbildung studierte er Blasmusikdirektion und Trompete. Schon während dem Studium sammelte er erste Erfahrung im Orchestrieren für Blasmusik. In seinen Kompositionen kommt die große Affinität zu seinem Lieblingsorchester, der königlichen Luftwaffenkapelle, deutlich zum Ausdruck, für die er fast alle seine Kompositionen geschrieben hat.

Neben dem Komponieren widmet sich Bosveld auch intensiv dem Dirigieren, der Ausbildung von Dirigenten sowie der Tätigkeit als Juror an nationalen und internationalen Wettbewerben.

«States of Mind» ist eine sechsteilige Suite für Ballett und Blasorchester. Bosveld nimmt darin sechs bestimmte Geisteszustände auf und thematisiert dabei immer die auch die Beziehung zwischen den Menschen. Das Stück ist damit ein Panoptikum menschlicher und eben auch zwischenmenschlicher Gefühle.

«States of Mind» wurde komponiert für das Blasmusikfestival «Spring Wind Nijverdal 2008» und da auch uraufgeführt.

Text: Flavian Imlig

Andrew Lloyd Webber
arr. Henry Mancini, John Moss

Superstar, Everything’s Alright, King Herod’s Song & I Don’t Know How To Love Him

Andrew Lloyd Webber, geboren 1948 in England, ist der wohl bekannteste und erfolgreichste Komponist und Produzent von Musicals. Seit 1965 hat er zahlreiche absolute Hits wie «Evita», «Cats», «Phanton of the opera» oder eben «Jesus Christ Superstar» geschaffen. Für seine Musik erhielt er zahlreiche Preise, darunter einen Oscar und drei Grammys

In «Jesus Christ Superstar», das 1971 uraufgeführt wurde, vertont Webber zusammen mit Tim Rice als Texter die neutestamentliche Geschichte vom Sohn Gottes. Im Zentrum steht dabei Judas der Verräter. Obwohl die teilweise sehr seichte Reduktion der biblischen Geschichten auf Themen wie Zweifel, Eifersucht, Misstrauen aber auch Liebe, Vertrauen und Zuversicht vor allem in christlichen Kreisen zunächst nicht gut ankam, wurde das von Webber als Rock-Oper bezeichnete Musical ein weltweiter Erfolg.

Henry Mancini und John Moss haben in ihrer Bearbeitung für Blasorchester vier der knapp 30 Lieder aus dem Musical verarbeitet. Das «Superstar»-Motiv stammt aus der Szene, in der Judas und das Volk den das Kreuz tragenden Jesus verhöhnen und wurde zum unverkennbaren Erkennungsmotiv des Musicals. In «Everything’s alright» kommt die Zuversicht der Jünger und Frauen zum Ausdruck, der nur Judas nicht ganz traut. Im «King Herod’s song» fordert der König den gefangenen Jesus in einer revueähnlichen Selbstinszenierung hämisch auf, ein Wunder zu wirken. Mit Ballade «I Don’t know how to love Him» formuliert Maria Magdalena ihre zaghafte und noch unsichere Liebe zu Jesus.

Text: Flavian Imlig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.