(Bild: Doris Dörig)

Doris Dörig

What a show!

Frühlingskonzert 2015

Mit einem facettenreichen Rundgang durch die Musik US-amerikanischer Komponisten begeisterte der Musikverein Goldau das Publikum im gut besetzten Eichmatt.

Im Programm kamen sowohl die typisch amerikanische Marschmusik als auch viele swingige und jazzige Musik aus Broadway und Film zur Aufführung. Aus Anlass des «Jahr der Klarinette» spielte zudem ein mit Klarinetten aller Grössen besetztes Klarinetten-Ensemble auf – eine ganz besondere Klangerfahrung für Publikum und Musiker gleichermassen

Der Musikverein bedankt sich bei allen, die zum Gelingen dieses Konzertes beigetragen haben: bei Christian Stutzer für die gute Vorbereitung, bei den Projektmitgliedern für die musikalische Unterstützung, bei den Sponsoren und Gönnern und schliesslich auch beim zahlreich erschienen Publikum.

Presseschau

Musikverein holte Amerika nach Goldau (Monika Suter, Bote der Urschweiz, 27. April 2015)

«Made in USA» (Flavian Imlig, Rigi-Post, 23. April 2015)

«Wer macht das Schlagzeug?» (Flavian Imlig & Rita Häcki, Rigi-Post, 16. April 2015)

Konzertprogramm

Programmheft

John Williams
arr. Johan de Meij

Main Title, Yoda’s Theme, Imperial March, Princess Leia’s Theme, The Throne Room & May the Force be with You

Ein in der amerikanischen Musik sehr wichtiges Genre war seit den frühen 1920er-Jahren die Filmmusik. Zahlreiche Musiker und Komponisten steuerten ihre sehr unterschiedlichen musikalischen Qualitäten zu dieser anfänglich sehr neuartigen Form der Unterhaltung bei. Spätestens mit dem Beginn von «New Hollywood» wie die Boom-Ära der amerikanischen Filmindustrie ab ca. 1960 wurden die einzelnen Arbeiten im Filmbusiness zunehmend von spezialisierten Profis übernommen. Im Bereich der Filmmusik war der 1932 geborene John Williams einer der ersten Spezialisten auf seinem Gebiet. Ein erster Erfolg gelang ihm 1972 mit der Musik zum Katastrophenfilm «The Poseidon Adventure» und spätestens mit «Jaws» 1975 und «Star Wars» 1977 wurde er weltweit berühmt. Für die beiden Filme erhielt er auch seine ersten beiden Oscars. Er ist bis heute tätig und wird voraussichtlich auch die Musik zu den in Entstehung begriffenen neuesten «Star Wars»-Filmen schreiben. Neben seinen Filmmusiken komponierte Williams auch Sinfonien, mehrere Solokonzerte, ein Musical, vier Olympia-Fanfaren sowie diverse kürzere Stücke.

Die Musik zu «Star Wars» basierte auf einem interessanten Konzept: So sollte sie nicht wie fast alles andere an den Filmen futuristisch, ungewohnt und überraschend daherkommen. Williams setzte ganz bewusst auf den fürs Publikum vertrauten Stil der Wagnerischen Orchestermusik des 19. Jahrhunderts. Die Musik sollte bei den Zuschauern Assoziationen mit grossen Theaterstücken und Opern hervorrufen.

Angelehnt an diese Theater- und Operntradition haben in der Musik zu «Star Wars» die Figuren sowie wichtige Schauplätze ihre je eigenen musikalischen Themen und Motive, beispielsweise hell, euphorisch und pompös für den Helden, martialisch, düster und orgelhaft für das Böse.

In seiner Bearbeitung verwendet Johan de Meij sechs solcher Themen aus den ersten beiden Filmen «Star Wars» und «The Empire strikes back». Die berühmte Fanfare zu Beginn, die gleichzeitig das Thema von Luke Skywalker ist, darf ebensowenig fehlen wie der «Imperial March» zu dem Darth Vader auftritt. Daneben kommen auch Prinzessin Leia und Yoda musikalisch vor. Auch das von Williams als Hauptthema für die ganze Reihe gedachte, feierliche Hauptthema «The Throne Room», das für die Jedi-Ritter und «the Force» steht, ist verarbeitet. De Meij übernimmt auch die bei Williams oft vorkommenden schnellen Übergänge zwischen Themen und Stimmungen.

Text: Flavian Imlig

Short Symphony

David Maslanka

David Maslanka, geboren 1943 in Massachusetts, kann als einer der ganz grossen amerikanischen Komponisten für Blasorchester der Moderne bezeichnet werden. Sein Werk umfasst über 130 Stücke, davon rund 40 für «Wind Ensemble». In seinen Stücken legt er grossen Wert auf Ausdrucksstärke, bewusste und unbewusste Gestaltung und – als Kompositionslehrer – natürlich auf kompositorische Qualität.

Obwohl er für «Give us this day» eine Zeile aus dem «Vater unser» als Titel wählte, ist das Stück inspiriert durch die buddhistische Philosofie und Religion. Er selbst beschreibt das Werk mit den Worten eines vietnamesischen Mönchs:

«A future for the planet is only possible if individuals become deeply mindful of themselves, deeply connected to who they really are.»

Für Maslanka entsteht gerade beim aktiven Musizieren aber auch beim Zuhören diese tiefe Aufmerksamkeit. Und auch «Give us this day» soll solche Momente ermöglichen.

«Give us this day» ist aber nicht Programmmusik, beschreibt also nicht speziell ein Ereignis, eine Geschichte oder eine Person. Das Werk ist symphonisch angelegt; das heisst, die Musik steht im Mittelpunkt. Der erste der beiden zusammenhängenden Sätze beginnt zaghaft und suchend. Erst nach einer Weile kommt das Hauptmotiv langsam durch, zuerst eher gedämpft und ruhig, dann wuchtig und stolz. Der zweite Satz ist energiegeladen, turbulent, freidig und ernsthaft zugleich. Das Stück endet, ganz im Sinne des Titel mit einer Variation des Bach-Chorals «Vater Unser im Himmelreich».

Text: Flavian Imlig

March

John Philip Sousa

Eine wichtige Tradtionslinie in der amerikanischen Blasmusik ist jene der Marschmusik. Und John Philip Sousa (*1854, †1932) wird gemeinhin als «The March King» bezeichnet. Er steht auch für die Verbindung der militärischen und der unterhaltenden Funktion der Marschmusik. So war er einerseits über zehn Jahre Offizier und Dirigent der United States Marine Band und ist Komponist des offiziellen Marsches der Vereinigten Staaten («The Stars and Stripes Forever») und der US-Marine («Semper Fidelis»). Andererseits gab er als Gründer und Dirigent der «Sousa Band» zwischen 1892 und 1931 über 15’000 Konzerte in den USA und auf der ganzen Welt und neben seinen über 130 Märschen, von denen viele auch aus nicht-militärische Anlässen entstanden sind, komponierte Sousa auch 15 Operetten, 11 Suite sowie Lieder und Solostücke.

Der 1928 komponierte Marsch «University of Nebraska» ist einer seiner letzten Kompositionen. Die Idee dazu entstand anlässlich eines Konzertes der Sousa Band in Nebraska im Herbst 1927. Der Universitätskanzler war frech genug, Sousa zu fragen, ob er denn einen Marsch für die örtliche Universität schreiben würde. Offenbar gab Sousa ein Versprechen ab, das er einige Monate später einlöste (The Daily Nebraskan vom 22. Februar 1928), begleitet durch einen kurzen Brief:

«I sincerely hope the march will appeal to you and the students. My friends seem to like it very much.»

Der Marsch «University of Nebraska» enthält einige Besonderheiten, die ihn von den typischen Märschen unterscheiden. So fehlt ein eigentlicher Bass-Soloteil. Auch harmonisch und im dritten Teil zusätzlich rhythmisch sind einige Ausreisser aus dem traditionellen Marsch-Schema eingebaut. Was Sousa ähnlich wie in seinen bekanntesten Märschen in «University of Nebraska» einsetzt, sind sehr leise zu spielende Passagen. Und auch typisch Sousa ist das stolze, durch eine mitreissende Melodie getragene Finale.

Text: Flavian Imlig

— Pause —

Seasonal Sketches

Everett Gates

Fandango

Frank Perkins
arr. Jeanie Murrow

Das Jahr 2015 wurde von der Schweizer Militärmusik und vom Schweizer Blasmusikverband zum «Jahr der Klarinette» erklärt (www.jdk-adlc.ch). Ziel war es, die Klarinette als vielseitiges und klanglich enorm flexibles und ausdrucksstarkes Instrument hervorzuheben. Dabei sollen viele Personen dieses wunderbare Instrument (wieder-)entdecken.

Der Musikverein hat zu diesem Anlass ein Klarinettenensemble zusammengestellt, bestehend aus fast allen Grössen und Varianten dieser Instrumentenfamilie. Sie präsentieren zwei Stücke, eigens komponiert bzw. arrangiert für diese Besetzung, die teilweise auch «Klarinettenchor» genannt wird.

In seiner Suite «Seasonal Sketches» geht Everett Gates einmal durch die vier Jahreszeiten. Anders als Vivaldi beginnt er jedoch im Sommer und endet mit dem Frühling. Mit dem Sommer beginnt das Stück sehr lebendig und vergnügt. Der Herbst klingt schon etwas schwermütiger, wobei die Melodie sich immer noch in einem fliessenden Dreivierteltakt bewegt. Erst im Winter kommen dann harmonisch die Dunkelheit dieser Jahreszeit, die klirrende Kälte und die damit verbundene gedämpfte Stimmung musikalisch zum Ausdruck. Als Neuanfang und Aufbruch erklingt der letzte Satz: Man kann sich gut die aufblühende Natur, die wärmer und länger werdenden Tage und die neu erwachte Unternehmungslust vorstellen.

Diese Lebenslust nimmt Frank Perkins in seinem «Fandango», arrangiert von Jeanie Murrow, auf. Der Fandango ist eine Lied- und Tanzform, die um 1700 auf der iberischen Halbinsel populär wurde und mit dem Flamenco verwandt ist. In Perkins‘ Fandango wechseln sich dabei freurig vorwärtstreibende und romantisch-lyrische Teile ab.

Text: Flavian Imlig

arr. Peter Kleine Schaars

In the Stone, Got to get You into my Life, After the Love has gone & September

Die amerikanische Band «Earth, Wind & Fire» entstand 1969 rund um den Jazz-Drummer Maurice White. Sie touren heute noch weltweit mit großem Erfolg und nehmen weiterhin Alben auf. Maurice White ist seit 1995 nur noch selten aktiv mit dabei, wirkt aber weiterhin als Sänger bei Studioaufnahmen und Produzent mit. Die Musik von «Earth, Wind & Fire» ist eine Kombination von Soul, Funk, Motown ergänzt um afrikanische Elementen und moderne Pop-Rhythmen. Eines ihrer Markenzeichen ist die stark besetzte Bläsergruppe, die unter dem Namen «Phenix Horns» seit den 1970er-Jahren mit zahlreichen Musikern zusammenarbeitete.

In seinem Medley «The Best of Earth, Wind and Fire» hat Peter Kleine Schaars vier Lieder aus der Blütezeit von «Earth, Wind & Fire» in den 70er-Jahren verarbeitet. Wie in anderen Bearbeitungen ist es ihm auch hier gelungen, die Energie und die Stimmungen der Originale direkt in ein Blasmusikwerk zu übertragen.

Playlist der Originalversionen auf YouTube

Text: Flavian Imlig

George Gershwin
arr. Derek Bourgeois

Robert Knobel, Klarinette

Wie andere amerikanische Komponisten hat auch George Gershwin Musik für sehr verschiedene Medien und Anlässe geschrieben. Das Stück «Promenade – Walking the dog» entstand als Teil der Musik zum 1937 produzierten Film «Shall we dance» mit dem Film-Traumpaar Fred Astaire und Ginger Rogers. Anders als ein Grossteil der bislang nicht öffentlich verfügbaren Musik aus diesem Film, hat dieses Stück zuerst durch eine 1960 durch eine Eigenbearbeitung von Gershwin den Weg an die Öffentlichkeit gefunden. Erst mit der 2013 begonnen kritischen Gesamtedition von Gershwins Schaffen wird auch die weitere Musik aus «Shall we dance» im Verlauf der nächsten Jahre aufgeführt werden können.

Wie der Titel vermuten lässt, begleitet «Walking the dog» im Film eine Szene mit Hundebeteiligung. Der Spaziergang mit Hund findet an Deck eines Luxusliners statt, der sich auf dem Weg von Frankreich nach New York befindet.

Die herrlich vergnügte und unbeschwerte Musik wird von Robert Knobel als Klarinettensolist interpretiert. Er präsentiert dabei auch die unbekümmerte, leichtfüssige Note der Klarinette.

Text: Flavian Imlig

aus 3 Preludes für Piano

George Gershwin
arr. John Krance

Neben der konzertanten Musik für Blasorchester, die der Musikverein Goldau auszugsweise auch schon interpretierte, und der Filmmusik hat George Gershwin auch Solowerke komponiert. Darunter sind auch einige Werke für Klavier, das Instrument das Gershwin selber spielte. Seine «Three preludes» sind kurze Klavierstücke, die er 1926 in New York auch gleich selber uraufführte (Interpretation von George Gershwin auf YouTube). Alle drei sind typische Beispiele amerikanischer Klassik des frühen 20. Jahrhunderts, stark beeinflusst vom Jazz.

Während in der ersten Prelude Ragtime und südamerikanische Rhythmen anklingen, in der dritten dagegen eher hochkomplexe Figuren im Mittelpunkt stehen, ist die «Second Prelude» eher schwermütig und lässt einen zünftigen Blues-Mood aufkommen. Eine regelmässige Basslinie wird zu Beginn umspielt von einer gedämpften, sich hin- und herwindenden Melodie, die erst nach einigen Takten eine Richtung erkennen lässt. Im Mittelteil übernimmt die sehr jazzige Basslinie den Lead und führt erst nach einigen Umspielungen zurück zur zaghaften Melodie des Anfangs.

In seiner Bearbeitung betont John Krance den schwermütigen Charakter zusätzlich, beispielsweise durch viele gedämpfte Stellen im Blech und die Kombination verschiedener Klangfarben. Teilweise kommt aber auch der Glanz der «Roaring Twenties» in den USA zum Vorschein oder man wähnt sich in einer Kneipe, in der ein Jazzorchester auftritt.

Text: Flavian Imlig

Jerry Bock
arr. Ira Hearshen

Der 2010 verstorbene Jerry Bock war – im Gegensatz zu vielen seiner amerikanischen Komponistenkollegen – vor allem in einem Genre erfolgreich: im Musical. Das erfolgreichste und bis heute bekannteste seiner sieben Kompositionen für die grossen Broadway-Theater ist ohne Zweifel «Fiddler on the roof», uraufgeführt 1964 und das erste Musical der Geschichte, das über 3000 Mal aufgeführt wurde.

Die Geschichte in «Fiddler on the roof» – deutscher Titel «Anatevka» – basiert auf Erzählungen von Sholem Aleichem, einem russischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Hauptfigur ist «Tevye», ein jüdischer, armer Milchmann, der versucht im imperialistischen Russland seine Frau und die fünf Töchter zu ernähren. Dabei ist die Lage der Familie – angelehnt an ein russisches Sprichwort – teilweise so wacklig wie der Sitz eines Geigers auf einem Dach. Gleichzeitig fühlt sich Tevye der Tradition verpflichtet und möchte sie hochhalten und weiterführen. Dabei wird er aber arg herausgefordert durch die unkonventionellen Heiratswünsche seiner Töchter. Erst ganz am Ende versöhnt er sich mit ihnen und sie wandern gemeinsam nach Amerika aus.

Ira Hearshen verbindet einige der musikalischen Motive aus dem Musical zu seinen «Symphonic Dances from Fiddler on the Roof». Er nimmt besonders die, trotz Armut und anderen Schwierigkeiten oftmals ausgelassene, fröhliche und tänzerische Stimmung des Musicals auf. Ebenfalls gut zur Geltung kommen in seinem Arrangement die jüdischen, an Klezmer erinnernden Klänge.

Text: Flavian Imlig

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